Durch die jahrelange Belastung, die bei der Pflege von Angehörigen mit demenziellen Erkrankungen gegeben ist, können auch bei gesunden Pflegenden Überlastungen auftreten, die sich durch verschiedenste Symptome äußern können. Sind Sie gereizt, nervös oder niedergeschlagen? Fühlen Sie sich erschöpft? Haben Sie Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder Magen-Darmbeschwerden? Sind Sie häufig erkältet? Dies sind deutliche Anzeichen dafür, dass Sie Unterstützung bei der Demenz-Pflege benötigen.

 

Wie Sie Demenzkranke unterstützen können

Die verschiedenen Demenzformen sind fortschreitende, nicht behandelbare Erkrankungen, bei denen durch eine Schädigung der Nervenzellen Defizite in räumlicher und zeitlicher Orientierung sowie im Bereich der Gedächtnisleistung auftreten, weshalb demente Menschen vermehrt Orientierungshilfen benötigen.

Dennoch gilt auch bei einem Familienmitglied mit einer demenziellen Erkrankung, dass der Mensch nach wie vor fühlt und ein möglichst angenehmes Leben führen möchte. Genießen Sie daher gemeinsame Aktivitäten. Mitunter wird Ihr Angehöriger Sie vielleicht nicht mehr erkennen. Andererseits können Sie den Menschen durch seine noch vorhandenen Erinnerungen und Emotionen ganz neu kennenlernen.

Vermeiden Sie Auseinandersetzungen und Kritik, besonders auch, da ein an Demenz erkrankter Mensch durch die Schädigung des Kurzzeitgedächtnisses nichts Neues mehr lernen kann. Seien Sie geduldig und schaffen Sie einen strukturierten Tagesablauf. Erinnerungsstützen und Orientierungshilfen im Tagesablauf erleichtern die relative Selbstständigkeit Ihres Familienmitglieds.

 

Hilfsangebote für Angehörige von Demenzkranken

Natürlich ist es wichtig, dass Ihre an Demenz erkrankten Angehörigen gut versorgt sind, besonders im Fortschreiten der Krankheit. Dadurch leisten Sie bereits einen sehr wesentlichen Beitrag.

Dennoch dürfen sich pflegende Angehörige nicht selbst vernachlässigen. Dies gilt übrigens für sehr viele Bereiche. Um anderen helfen zu können, muss man auf sich selbst gut achtgeben. Suchen Sie sich also Unterstützung und den Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen und ziehen Sie gegebenenfalls auch eine professionelle Pflege in Betracht, um sich selbst zu entlasten.

 

Erfahrungsaustausch in Selbsthilfegruppen

Teilen Sie Ihre Erfahrungen, Sorgen, Ängste und Gedanken mit anderen Betroffenen! In Selbsthilfegruppen können Sie sich mit anderen pflegenden Angehörigen austauschen. Hier müssen Sie nicht stark sein, sondern sind in der Gruppe gut aufgehoben, da Sie Verständnis finden und somit Erleichterung erfahren.

 

Gesprächstherapie

Wie soll man damit umgehen, dass ein geliebter Mensch sich räumlich und zeitlich immer schlechter orientieren kann? Wie geht man damit um, wenn man von nahen Angehörigen nicht mehr erkannt wird? Dies kann ein sehr schmerzhafter Prozess sein. Psychotherapeutische Begleitung kann Sie hier unterstützend begleiten. Dabei sollten Sie sich bewusst sein, dass eine Belastung NORMAL ist. Und dass es GESUND ist, Hilfe anzunehmen.

 

Ärztliche Unterstützung

Bei körperlichen Beschwerden oder psychosomatischen Symptomen sollten Sie immer auch einen Facharzt oder zumindest Ihren Hausarzt aufsuchen, um chronischen gesundheitlichen Problemen vorzubeugen. Oft vergisst man angesichts einer Erkrankung bei Angehörigen, auf sich selbst zu achten. Sei es, weil man stark sein möchte, sei es, weil man sich denkt, das eigene Leiden sei im Vergleich ja gar nicht so schlimm. Manchmal scheint einem auch einfach die Zeit zu fehlen. Meistens ist das ein schleichender Prozess, der sich erst relativ spät in größeren Beschwerden äußert. Nehmen Sie daher erste Anzeichen einer Überlastung nicht auf die leichte Schulter.

 

Professionelle häusliche Pflege

Um sich selbst in der Pflege zu entlasten, können Sie professionelle häusliche Pflege in Betracht ziehen. Hier gibt es verschiedenste individuelle Betreuungsmodelle, von punktuellen Hausbesuchen über die Kurzzeitpflege sowie die Nachtbetreuung oder Tagesbetreuung bis hin zur Langzeitpflege mit 24-Stunden-Betreuung. Lassen Sie sich beraten, ob Sie besser eine Tagesbetreuung wählen, eine Art der Kurzzeitpflege oder doch eine andere Art der professionellen Pflege, um sich den Alltag zu erleichtern.

 

Professionelle Pflegeeinrichtungen

In manchen Fällen kann eine Pflegeeinrichtung die richtige Wahl sein. Etwa die Übersiedlung in ein Pflegeheim mit der Möglichkeit auf Interaktion mit anderen BewohnerInnen oder die Übersiedlung in eine demenzgerechte, betreute Wohngemeinschaft mit anderen BewohnerInnen. Bedenken Sie aber, dass jede Übersiedlung, ob in ein Pflegeheim oder in eine Wohngemeinschaft, wo die Menschen zwar in Interaktion mit anderen BewohnerInnen treten können, für einen demenzkranken Menschen dennoch eine sehr große Belastung darstellen kann. Mitunter kann aus pflegewissenschaftlicher Sicht ein stationärer Aufenthalt tatsächlich erforderlich sein.

 

Früherkennung von Gedächtnisstörungen: Gedächtnisambulanz

Wenn Sie erste Anzeichen entdecken, dass Gedächtnisstörungen bei Angehörigen immer häufiger auftreten, sollten Sie eine Gedächtnisambulanz aufsuchen. Dort können Sie von Spezialisten feststellen lassen, ob es sich um ein normales, altersbedingtes Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit handelt oder ob tatsächlich eine krankhafte Veränderung oder sogar eine Demenzerkrankung vorliegt. Beachten Sie, dass auch großer psychischer Stress und Schlafmangel zu Gedächtnisaussetzern führen kann und passen Sie bei der Pflege von dementen Angehörigen gut auf sich selbst auf.