Inkontinenz ist ein Thema, über das man nicht gerne spricht. Nicht nur im Alter. Aber gerade in der Altersgruppe der Senioren, die ohnehin schon mit dem einen oder anderen körperlichen Wehwehchen zu kämpfen hat, ist beispielsweise eine noch hinzukommende Blasenschwäche eine besondere psychische Belastung.

Der Grund: Das Thema Inkontinenz wird bei einer Vielzahl von Menschen nicht als Krankheit oder Krankheitssymptom wahrgenommen, sondern vielmehr mit Schwäche assoziiert. Personen mit diesem Problem sind oft Spott und Häme ausgesetzt und der Lächerlichkeit preisgegeben. Dieser Umstand führt dazu, dass Betroffene Scham empfinden und sich zurückziehen. Das ist menschlich verständlich, muss jedoch nicht sein.

Inkontinenz ist kein Grund, sich zu schämen und sich vom gesellschaftlichen Leben zurückzuziehen.

Es ist ein häufig auftretendes Problem, das zum einen therapierbar und zum anderen durch allerlei Hilfsmittel derart beherrschbar ist, dass eine problemlose Teilnahme am gesellschaftlichen und sozialen Alltag ohne weiteres und ohne aufzufallen möglich ist.

Wie Sie mit Inkontinenz selbstbewusst umgehen können und was Sie dagegen tun können, zeigen wir Ihnen in diesem Artikel auf.

Folgende Eckpunkte werden wir dabei näher beleuchten:

  • Was ist Inkontinenz und welche Arten gibt es?
  • Die Harninkontinenz und deren unterschiedliche Formen
  • Welche Behandlungsformen der jeweiligen Art der Inkontinenz gibt es?
  • Welche Hilfsmittel gibt es, damit der unfreiwillige Stuhl- oder Harnverlust Sie nicht an einem aktiven sozialen und gesellschaftlichen Alltagsleben hindert?

Beginnen wir mit den Grundlagen.

Was ist Inkontinenz und welche Arten gibt es?

Der Begriff Inkontinenz ist aus dem Lateinischen abgeleitet. Dabei steht „in“ für „nicht“ und Kontinenz für „continentia“ (Zurückhaltung, Selbstbeherrschung). Frei übersetzt bedeutet es daher: die Unfähigkeit sich zurückzuhalten.

Unterschieden werden:

  • Harninkontinenz: die Unfähigkeit, den Harn zurückzuhalten
  • Stuhlinkontinenz: die Unfähigkeit, den Stuhl zurückzuhalten
  • Affektinkontinenz: die Unfähigkeit, eine Stimmungslage beizubehalten oder zurückzuhalten

Alle drei Formen der Inkontinenz können für Betroffene sowie das Umfeld belastend sein und bedürfen der Abklärung und Behandlung.

Harninkontinenz

Von Harninkontinenz spricht man, wenn es zu einem nicht kontrollierbaren Harnverlust kommt. Etwa 850.000 Menschen sind in Österreich davon betroffen. Interessant ist dabei, dass bei jungen Menschen circa 4x so viel Frauen davon betroffen sind wie Männer. Im Senioren-Alter (ab 80 Jahren) ist der Anteil der Betroffenen zwischen Männern und Frauen in etwa gleich groß.

Stuhlinkontinenz (fäkale Inkontinenz)

Bei Stuhlinkontinenz kommt es zu nicht kontrollierbarem Verlust des Darminhalts. Diese Form der Inkontinenz scheint für betroffene Personen noch beschämender zu sein als die Harninkontinenz und man hört daher kaum etwas davon. Somit ist dieses Problem in Bewusstsein der meisten Menschen kaum präsent.

Stuhlinkontinenz tritt jedoch häufiger auf als allgemein angenommen. So sind beispielsweise etwa 5 % der berufstätigen Menschen davon betroffen. Bei Senioren ist der Anteil an Betroffenen noch wesentlich höher. Um eine Vorstellung von der Häufigkeit der Stuhlinkontinenz zu haben: In Wien leiden etwa 75.000 Menschen darunter.

Affektinkontinenz

Als Affektinkontinenz bezeichnet man die verminderte Fähigkeit, Gefühlsäußerungen zu steuern oder zu kontrollieren. Gefühle werden besonders stark empfunden, die Gefühlsäußerungen sind dementsprechend stark ausgeprägt und treten meist unbeherrscht und spontan auf.

Charakteristisch für diese Form der Inkontinenz ist neben der ungewöhnlichen Stärke der Gefühlsreaktionen der rasche Wechsel von einem emotionalen Zustand in einen anderen. Beispielsweise kann eine tiefe Traurigkeit durch Ablenkung oder eine lustige Situation in Sekundenschnelle in ausgelassene Heiterkeit umschlagen. Sind den Betroffenen diese unkontrollierten Gefühlsausbrüche und -schwankungen am Beginn der Störung oft noch peinlich, so werden sie im späteren Verlauf als sprunghaft oder launenhaft hingenommen. Eine Schmähung der betroffenen Person findet meist nicht statt.

Konzentrieren wir uns infolge daher auf die beiden Formen der Inkontinenz, die von den Betroffenen als beschämend empfunden werden.

Die Harninkontinenz und die Stuhlinkontinenz.

Menschen, die von Stuhl- oder Harninkontinenz betroffen sind, haben einen sehr hohen Leidensdruck, da der Zeitpunkt des Harnverlusts oder des Verlusts des Darminhalts nicht vorhersehbar und somit nicht kontrollierbar ist. Dazu kommt noch die Angst, dass das „Malheur“ von anderen Personen wahrgenommen wird.

Die Harninkontinenz

Der unkontrollierte Verlust des Harns kann unterschiedlichste Ursachen haben. Eine Blasenschwäche ist sehr gut behandelbar, doch wird der Weg zum Arzt aus Scham meist vermieden. Da die Folgen der Inkontinenz nicht lebensbedrohlich sind, werden die Auswirkungen in Kauf genommen, auch wenn sie die Lebensqualität einschränken.

Welche Arten der Harninkontinenz gibt es?

Die häufigsten Formen der Inkontinenz sind:

  1. Belastungsinkontinenz (Stresskontinenz)
  2. Dranginkontinenz (Überaktive Blase)
  3. Überlaufinkontinenz (paradoxe Inkontinenz)

Belastungsinkontinenz (Stresskontinenz)

Bei der Belastungsinkontinenz reicht die Kraft des Harnröhrenschließmuskels nicht aus, um den Harnverlust zu verhindern. Die Harnblase ist voll funktionsfähig.

Auslöser des Harnverlusts ist zumeist ein reflexartiges Zusammenziehen der Bauchmuskulatur wie beim Lachen, Husten oder Hochheben von schweren Dingen. Auch Übergewicht und eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur können Auslöser sein.

Behandlung oder Therapie der Belastungsinkontinenz (Stresskontinenz):

  • Gewichtsabnahme
  • Beckenbodentraining
  • Einnahme von Medikamenten

Dranginkontinenz (überaktive Blase)

Bei der Dranginkontinenz kann der Nervenreiz der „vollen Blase“ auch bei geringer Befüllung nicht unterdrückt werden und es kommt zum unkontrollierten Harnverlust. Gründe hierfür sind zumeist Erkrankungen des Nervensystems.

Behandlung oder Therapie der Dranginkontinenz (überaktive Blase)

  • Blasentraining
  • Medikamentös
  • Operation

Überlaufinkontinenz (paradoxe Inkontinenz)

Von einer Überlaufinkontinenz wird dann gesprochen, wenn die befüllte Blase nicht vollkommen entleert werden kann, sodass immer Restharn zurückbleibt und öfters der Drang des „Wasserlassens“ entsteht.
Ursachen der Überlaufinkontinenz können etwa eine Vergrößerung der Prostata, Störungen der Nervenbahnen oder eine geschwächte Blasenmuskulatur sein.

Behandlung oder Therapie der Überlaufinkontinenz (paradoxe Inkontinenz)

  • Das Setzen eines Katheters
  • Die Aktivierung des Blasenmuskels durch Medikamente

Seltene Formen der Inkontinenz

  • Reflexinkontinenz – tritt bei Querschnittsgelähmten auf
  • Extrauretale Inkontinenz – tritt durch Gewebeschäden oder bei vesikovaginaler/ ureterovaginaler Fistelung auf
  • Mischinkontinenz von Belastungs- und Dranginkontinenz
  • Bettnässen – tritt vermehrt bei Kindern auf, wird auch Enuresis genannt

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Stuhlinkontinenz (fäkale Inkontinenz)

Diese Form der Inkontinenz wurde vorhin schon beschrieben. Daher an dieser Stelle mehr zu den Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Ursachen von Stuhlinkontinenz:

  • Fehlfunktion im Alter
  • Schließmuskelschwäche
  • Schließmuskeldefekt
  • Geburt
  • Durchfall
  • Darmverengung aufgrund eines Tumors oder einer Operation

Behandlung oder Therapie der Stuhlinkontinenz

Um ein individuelles Therapiekonzept erstellen zu können, ist es unumgänglich, den Arzt aufzusuchen. Legen Sie daher die Scham ab. Dem Arzt ist Ihr Problem vertraut und er wird Ihnen dabei helfen, mit Ihrem Problem besser zurechtzukommen.

Bei der Behandlung von Stuhlinkontinenz kommen in der Regel 2 Therapieformen in Frage. Die konservative Therapie und die operative Therapie. In den meisten Fällen wird eine konservative Therapie eingeleitet. Diese muss nur in ca. 20 % der Fälle durch operative Maßnahmen ergänzt werden.

Konservative Therapie

  • Die Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur
  • Eindickung des Stuhls durch Medikamente oder durch diätische Maßnahmen
  • Regelmäßige Darmentleerung durch milde Abführzäpfchen

Operative Therapie

  • Operative Wiederherstellung des Schließmuskels (Wiedervereinigung von Muskelstümpfen oder Raffung noch vorhandener, aber schwacher Muskelbündel)
  • Rektumprolaps
  • Schließmuskel wird durch einen Skelettmuskel (vom Bein) ersetzt
  • Beckenbodenschrittmacher, sakrale Nervenstimulation oder Neuromodulation (SNM)
  • Unterspritzung / Bulking Agents

Alltagshilfen bei Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz

Während sich die Therapie- und Behandlungsmethoden bei den verschiedenen Formen der Inkontinenz stark voneinander unterscheiden, sind die Alltagshilfen, welche Ihnen den Umgang mit dem Problem erleichtern, dieselben.

Diese reichen von der einfachen Einlage über die Erwachsenenwindel bis hin zu Sitzunterlagen und Betteinlagen sowie Produkten für die Reinigung und Pflege der betroffenen Hautstellen. Ob Stuhlinkontinenz oder Harninkontinenz (Dranginkontinenz, Belastungsinkontinenz, Überlaufinkontinenz, Mischinkontinenz oder eine der selteneren Formen der Harninkontinenz) – die Alltagshilfen helfen Ihnen dabei, sich im Alltag frei und selbstbewusst bewegen zu können, während Sie durch die richtige Behandlungsmethode der Inkontinenz daran arbeiten, den Harndrang oder Stuhlverlust in den Griff zu bekommen.

Wussten Sie, dass die Betreuerinnen unserer 24-Stunden-Pflege im Umgang mit Inkontinenz geübt sind und Ihnen und Ihren lieben Angehörigen helfend dabei zur Seite stehen?

Stehen Sie vor der Entscheidung, sich um eine Betreuung für sich oder einen Angehörigen kümmern zu müssen und das Thema Inkontinenz spielt bei der Betreuung eine Rolle? Dann nehmen Sie gleich jetzt Kontakt mit uns auf. In einem unverbindlichen Gespräch besprechen wir alle Möglichkeiten für Sie.

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